Durch den Flächenankauf auf der Grünen Wiese durch die Gemeinde kommt möglicherweise Schwung in die Planung zur Bebauung. Die Verwaltung favorisiert nach Angaben des Bürgermeisters die Ansiedlung von etwa 3000 m² Lebensmitteleinzelhandel als Frequenzbringer. Die Zahl 3000 m² stammt aus der Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes. Dieses Konzept war schon bei der Verabschhiedung im Rat nicht unumstritten. Jetzt inmitten der Corona-Krise stellt sich die Frage, ob sich das Einkaufsverhalten der Wallenhorster so stark ändern könnte, dass dieses Konzept zukünftig wertlos ist.

 

Bei der Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes 2017/2018 wurde die Verkehrssituation im Zentrum nicht berücksichtigt, obwohl die Befragung der CIMA ergab, dass ca 80% der Kunden mit dem Pkw oder Motorrad zum Einkaufen fahren. Die Gutachter geben diesen Wert als sehr hoch im Vergleich zum Bundesdurchschnitt von knapp 60% an. Weitere Beachtung findet diese Tatsache aber nicht. Ein Frequenzbringer im Zentrum würde demnach in Wallenhorst deutlich mehr Verkehr verursachen als im Bundesdurchschnitt.

 

Aktuell mitten in der Corona-Krise müßten eigentlich Orte mit großen Verbrauchermärkten oder SB-Warenhäusern die bestmögliche Versorgung für die Bevölkerung bieten. Denn diese Märkte bieten ja auf großen Flächen ein Riesensortiment an. Das ist aber leider Theorie. In Orten wie Wallenhorst mit eher kleineren, aber dezentralen Märkten ist die Versorgung aktuell besser. Trotz Beschränkungen der maximalen Kundenzahlen gibt es in Wallenhorst keine langen Schlagen vor den Eingängen. Die Versorgung mit begehrten Artikeln wie Nudeln, Mehl oder Toilettenpapier funktioniert halbwegs. Das ist in Gemeinden mit wenigen großen Märkten derzeit nicht immer der Fall.

 

Schon vor der Corona-Krise war der Trend zu kleineren Verkaufsflächen sichtbar. Die SB-Warenhauskette „real“ kämpft seit Jahren mit Umsatzrückgängen und wird nach aktueller Planung zerschlagen. Auch die Wettbewerber Kaufland oder Globus stagnieren beim Umsatz. Die fetten Jahre in der Großfläche sind vorbei. Märkte zwischen 1000 und 2000m² machen das Rennen. Die aktuelle Krise und die Kontaktbeschränkungen wird diesen Trend sowie den Online-Trend deutlich beschleunigen. Die Verzahnung zwischen Online-Shop oder App und dem Vor-Ort-Geschäft könnte zukünftig vom Einzelhandel in vielen Sortimenten erwartet werden. Kunden suchen sich online z.B. Schuhe oder Kleidung aus, probieren vor Ort im Geschäft an und kaufen dort. Eine gemeinsame App des Wallenhorster Einzelhandels hilft den örtlichen Einzelhändlern vermutlich mehr als der gebetsmühlenartig herbeigesehnte Frequenzbringer auf der Grünen Wiese.

 

Denn der Einzelhandel braucht keine Kunden, die im Stau am Laden vorbeifahren. Der Einzelhandel braucht Kunden, die das Geschäft betreten. Die CDU fordert seit Jahren eine kleinteilige Bebauung der Grünen Wiese mit vielen Wohnungen und einem Einzelhandels- und Gastronomie-Angebot, das die Aufenthaltsqualität im Zentrum erhöht. Mehr Aufenthaltsqualität würde auch den umliegenden Einzelhandel stärken.

Dauerbrenner Grüne Wiese